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… Schluß mit dem Tabu Moll Architektur Bonn 30. Dezember 2012
… so lautet der Leitartikel in der Care konkret vom 14.12.2012
»für Pflegeeinrichtungen wird es immer wichtiger, über ein transparentes Sexualkonzept zu verfügen, so heißt es.«
Wir wünschen uns Räume für Intimitäten schaffen zu können, wie wunderbar das Zitat von Erich Schützendorf: »Als sich Frau Schmitz ... nackt auf ihren Lieblingsstuhl im Flur setzt, führt die Pflegerin Anna sie zur Aufrechterhaltung der Ordnung in ihr Zimmer zurück. Wahrscheinlich fühlt sich die Pflegerin noch am wenigsten durch den Anblick gestört, sie erkennt das Bedürfnis der Bewohnerin, die einengenden Kleider abzulegen oder deren Lust an Nacktheit. Sie kann es aber in dem funktionalen Flur, in dem Nacktheit doppelt nackt wirkt, nicht zulassen. … in einem sinnlich angereicherten Flur... würde die Nacktheit von Frau Schmitz weniger auffallen.« aus »Biotope und Schleusen im Meer der der Ver-rücktheit«, Erich Schützendorf
Großartig, wie der Autor über das Zusammenspiel von Raumgestaltung und Verhalten hinausgeht, dahin, dass Akzeptanz – auch eines Verhaltens jenseits der `Normalität` - mit Raum zusammengeht.
So können z.B. kleine Zeichen und Symbole anzeigen, wann der/die Pflegende sich aus dem `Festland der Normalität` hinaus bewegt: Ein Röhrchen mit Duftstoffen lässt noch einmal tief durchatmen, bevor eine `Insel des unzumutbaren Geruchs` betreten wird, ein unverdächtiges Windspiel, von der Decke hängend, gibt die Möglichkeit zum `irgendwo draufschlagen`, wenn ein/e nervende/r Bewohner/in die Geduld bis aufs Äußerste strapaziert hat.
So entstehen unverfängliche Schleusen, die das Gemüt entlasten, jedoch ein emotionales Entgleisen verhindern. Architektur und Gestaltung dienen dann tatsächlich dem Menschen.
Intensivpflege WG Moll Architektur Bonn 17. Oktober 2012
Nachbarn eines Mehrfamilienhauses in Köln fühlen sich gestört durch eine Intensiv-WG und klagen. Nach dem Urteil des Amtsgerichtes muß die Wohngemeinschaft die Wohnung verlassen, weil »die gleichzeitige Pflege von vier Patienten in einer Wohnung den übrigen Hausbewohnern nicht zuzumuten sein«.
Intensivpflegebedürftige erhalten häufigen Besuch von Therapeuten, Freunden, Angehörigen und Pflegepersonal,
Jugendliche oder große moslemische Migrationsfamilien erhalten häufigen Besuch von Freunden, Angehörigen oder Arbeitskollegen, hören laute Musik und haben andere Lebensgewohnten als ihre übrigen Nachbarn.
Wenn wir Nachbarschaften differenzieren und bewerten nach »Zumutbarkeit und Unzumutbarkeit« entsetzt es mich, dass sich Nachbarn durch Pflegebedürftige oder Sterbende und den damit verbundenen Lebensrhythmus gestört fühlen.
Fühlen diese sich gar gestört durch die Entlichkeit des Lebens und der Sterblichkeit? Welch eine Blasphämie an das Leben zu dem auch der Tod gehört.
Wenn wir den Tod und die Endlichkeit des Lebens nicht annehmen werden wir auch das Leben nicht annehmen.